Marokko: Sanddünen der Sahara (Tag 5)

Heute steht uns eine extrem lange Busfahrt bevor, denn unser Ziel liegt über fünf Stunden entfernt: Wir wollen den Sonnenuntergang in echten Sanddünen erleben. Unser Startpunkt Ouarzazate liegt zwar streng genommen bereits in der Sahara auf der Südseite des Hohen Atlas, aber diese Wüste sieht noch nicht so aus, wie man sich eine „richtige“ Wüste vorstellt. Die großen, endlosen Bögen der Sanddünen fehlen hier noch – es ist eine Steinwüste.

Wir lassen diverse Oasen links liegen, die ich mir ebenfalls anders vorgestellt hatte. Es sind relativ große Siedlungen mit einem meist trockenen Flussbett in der Mitte. Drumherum liegen Plantagen mit Dattelpalmen und darunter andere Grünpflanzen, fast wie in einem Kleingarten. Auf den Fotos erkennt man gut die typische Struktur der verschiedenen Ebenen – vom Fluss bis zu den Bergen im Hintergrund. Alt und neu, Lehmsteine und Beton lebt noch nebeneinander. Mich hat es faszinert, wie sehr die neuen Gebäuden den alten ähneln.

Das klassische Oasen-Bild, wie man es aus den Geschichten der Französischen Fremdenlegion kennt (siehe die fantastischen Romane von P. Howard alias Jenő Rejtő – ich liebe seinen absurden Humor, wie so viele in Ungarn), sucht man hier vergeblich. Ein paar Dattelpalmen, eine Garnison mit Militärzelten, ein paar verfallene Gebäude, einige herumstreunende, angebundene Kamele und zwei völlig ausgezehrte, schwitzende Legionäre, die im Schatten sitzen und verbissen Karten spielen, während sie auf ihr Schicksal warten – das findet man hier so nicht.

Unterwegs haben wir eine Pause eingelegt, wo ich den lokalen Markt fotografieren konnte – dieser war, abgesehen von uns, erfreulicherweise völlig frei von Touristen.

Bereits im 12. Jahrhundert bauten die Einheimischen unterirdische Wasserleitungen (Khettaras), die das Wasser aus den Bergen auffangen und in Richtung der nächsten Oase führen. Teilweise verlaufen diese Tunnel über 30 km parallel zueinander in etwa 10 m Tiefe. Als wir am Rand eines solchen Bohrlochs stehen, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie gefährlich und extrem es war, sich in die Tiefe abzuseilen, um den zwei Meter breiten Tunnel zu warten. Heute werden diese Tunnel nicht mehr genutzt; stattdessen hat die Region viele Stauseen zur Wasserversorgung gebaut.

Wir durchqueren die größte Oase Marokkos, die in der Realität eine Kette kleinerer Oasen und Dörfer ist, und kommen schließlich in Erfoud an, der „Dattelstadt“ Marokkos. Sie wurde während der Protektoratszeit von den Franzosen als Garnisonstadt gegründet. Abgesehen davon, dass hier die ersten richtigen Sanddünen beginnen, ist die Gegend bekannt für ihre schwarzen Berge, die reich an Mineralien und Fossilien sind – mehr darüber morgen.

Jetzt steigen wir jedoch in Geländewagen um und fahren zur Rande der Sandhügel. Während einige die Dünen auf Dromedaren erkunden, mache ich mich zu Fuß auf den Weg. Ich wollte am eigenen Leib erfahren, wie es ist, durch diesen tiefen Sand zu marschieren.

Die Sanddünen wachsen direkt aus der dunklen Steinwüste heraus und plötzlich ist man in einer ganz anderen Welt. Einheimische Berber folgen mir und bieten ihre Dienste als Guides an – natürlich wollen sie auch etwas verdienen. Ich möchte diesen Moment jedoch lieber ohne Begleitung erleben. Wie so oft in diesem Land hilft es, ihnen ein paar Dirham in die Hand zu drücken, und schon ziehen sie weiter.

Tiefer in den Dünen, am Hang der höchsten Erhebung, die zu Fuß noch vor der Dämmerung erreichbar ist, treffe ich auf eine Gruppe Spanier, die sich im Sandboarding versuchen. Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Fotos. Dann folgt ein wunderschöner Sonnenuntergang: Der Abendhimmel glühte in sattem Orange, was perfekt mit dem tiefen Gelb des Sandes harmonierte.

Natürlich waren meine Wanderschuhe komplett voller Sand, während ich versuchte, im schnell schwindenden Licht unsere Gruppe wiederzufinden. Dabei wurde mir schlagartig klar: Die Navigation zwischen Dünen ist verdammt schwierig – sie sehen sich alle zum Verwechseln ähnlich. Am Horizont erkannte ich jedoch schließlich einige Gebäude, die mir als Orientierung dienten, und schaffte es zurück zum Geländewagen. Was für ein Tag!

Natürlich waren meine Wanderschuhe komplett voller Sand, während ich versuchte, im schnell schwindenden Licht unsere Gruppe wiederzufinden. Dabei wurde mir schlagartig klar: Die Navigation zwischen Dünen ist verdammt schwierig – sie sehen sich alle zum Verwechseln ähnlich. Am Horizont erkannte ich jedoch schließlich einige Gebäude, die mir als Orientierung dienten, und schaffte es zurück zum Geländewagen. Was für ein Tag!

Schreibe einen Kommentar