Marrakesh Medina: Fotoreportage durch das Labyrinth der Gassen [Marokko Tag 3]

Die Stadt Marrakesh lebt von ihren Gegensätzen. Wer die engen Gassen der Altstadt verlässt, findet in der Neustadt (Ville Nouvelle, Gueliz) eine moderne Welt voller trendiger Cafés und weitläufiger Alleen mit internationalen Marken. Es ist beeindruckend, wie selbstverständlich hier alte Kultur auf modernes Leben trifft. Ein perfektes Beispiel dafür fand ich in einem Specialty Café Namens Kartel Kollektiv. Der Inhaber hatte lange in Deutschland gelebt und seinen Laden nach dem Umzug von Düsseldorf nach Marokko verlegt.

Der Tag startet mit einem Besuch des Menera-Gartens. Dieser Botanischer Garten ist eine Ölbaumplantage und öffentlicher Stadtpark und liegt außerhald der Stadtmauer. Was er interessant macht ist der Fakt, dass es bei der 2. Almohader Berber-Dynastie in der 12. Jahrhundert angelegt wurde und steht auf der UNESCO Weltkulturerbenliste. Ein großes Kanalsystem bewassert die über 100ha große Plantage mit Wasser aus dem zentralen Speichersee, wo das Wasser aus dem Hohen Atlas gespeichert wird.

Dar el Bacha – Museum of Confluences

Der Palast von Thami El Glaoui aus 1910 beherbergt heute das „Museum of Confluences“. Er war der Pascha von Marrakesch und wurde mit seiner profranzösicher Politik in der Protaktoratenzeiten sehr mächtig geworden. Er herrschte über große Teile Südwestmarokko und ließ meherer Festungen errichten. Diese Festungen heißen kasbah auf Arabisch.

Dar el Bacha ist ein schönes Beispiel der Marokkanischen Architektur mit Europaischen Einflüssen. Der Palast erinnert an Marokkos goldenes Zeitalter, denn das Gebäude selbst trägt den europäischen Stil jener Zeit und besticht nach der Restaurierung durch atemberaubende Details.

Wie in einem typischen Riad finden wir hier ein Innenhof mit Wasserbrunnen und Orangenbäumen – und in den Räumlichkeiten sind Beispile der Islamischen Kultur ausgestellt, nach Kategorien wie Kleidungen, Töpferei, Waffen oder Musik. Die beim Islamistischen Kunst typischen geometrischen Formen und Kalligrafien sind überall zu sehen.

Mehr Info: https://darbacha.com

Medina von Marrakesh

Die Altstadt umgeben von einer Stadtmauer beherbergt der Souk, der Markt.

In den schmalen Gassen pulsiert das Leben. Aufdringliche Menschen, laute Händler, hupende Roller und klingelnde Radfahrer schieben sich aneinander vorbei; selbst die rasch voraneilenden Handwagen-Kuriere nutzen Warnsignale, um ihren Weg zu unbekannten Zielen zu finden. Gerüche von Gewürzen und Essen vermengen sich mit dem Dunst von glühender Kohle und Weihrauch und man muss oft von den Auspuffgasen der Roller husten.

​Doch der Gesamteindruck ist weniger aufdringlich, als ich zuerst dachte. Womöglich ist es dem Dezember zu verdanken, aber das Gedränge ist nicht unerträglich und die Einheimischen sind nicht zu fordernd. Die Nutzung einiger französischer Wörter hilft der Sache natürlich ungemein: Ich habe zum Beispiel die Frage >>Puis-je prendre une photo?<< (Darf ich ein Foto machen?) viel geübt. Wobei hier und da natürlich auch 10 Dirham dabei helfen, die Lust der Einheimischen auf ein Foto zu wecken.

Zum Glück wird vieles lokal produziert – man kann aus nächster Nähe beobachten, wie geübte Hände kleine Kunstwerke erschaffen.

Koutoubia Moschee Marrakech

Eine große Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Wie gewohnt Touristen dürfen diese Moschee nicht betreten. Auch hier lässt sich die Besonderheit der marokkanischen Moscheen gut beobachten: Ihr einziges Minarett ist viereckig. Das Erdbeben von 2023 hatte den Turm und eine der Mauern schwer beschädigt, doch mittlerweile wurde alles wieder vollständig restauriert.

Djemaa el Fna, der Gaucknerplatz in Marrakesh

Wir können über die Medina in Marrakesh nicht reden, ohne der Gaucklerplatz – Djemma el Fna zu erwähnen.

Der große Marktplatz hat leider seinen einstigen Glanz verloren und ist nun eine betonierte Fläche. Verstreut suchen Schlangenbeschwörer und Schausteller mit Affen in Basar-Kostümen den Blickkontakt zu den Touristen. Umringt werden sie von Obstständen, die frisch gepresste Säfte anbieten. Es ist überraschend, dass alle Stände nach demselben Schema gebaut sind; keiner sticht hervor, und jeder Verkäufer schreit gleichermaßen laut, um den nächsten Kunden anzulocken. Um die Tierschausteller habe ich versucht einen Bogen zu machen, um sie nicht noch zur Tierquälerei zu ermutigen. Laut unserem lokalen Guide ist übrigens erst vor wenigen Wochen wieder ein Schlangenbeschwörer gestorben, nachdem er von seiner eigenen Kobra gebissen wurde. Nach Einbruch der Dunkelheit erwacht der Platz noch mehr zum Leben: Essensstände nehmen die Mitte des Platzes ein und überall leuchten Laternen auf.

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