Am Tag zwei war ich zunächst etwas bedrückt, da es in islamischen Ländern oft nicht so einfach ist, Menschen zu fotografieren, wie in vielen anderen Regionen. Dabei wäre der Besuch der Altstadt (Medina) und des Marktes (Souk) in Essaouira die beste Gelegenheit gewesen, Streetfotografie zu üben.
Auch wenn das islamische Bilderverbot durch die Verbreitung sozialer Medien an Bedeutung verliert, gibt es in Marokko weiterhin eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Porträtaufnahmen. Vor allem sollte ich mich zurückhalten, Frauen auf der Straße zu fotografieren. Mit dieser Einstellung bin ich durch den Markt gebummelt.
Unser Reiseleiter hat uns vieles über die Historie und die lokalen Gebräuche erzählt und die verschiedenen Bereiche des Marktes gezeigt: Obst und Gemüse, Gewürze, Getreide, Fleisch und Tiere, Juweliere, Kleidung und alles Mögliche dazwischen.
Es war bunt, lebendig und eines ist klar geworden: die Einheimischen lieben Katzen! Sie sind überall und werden von allen gefüttert. Eines ist sicher: Ein Mäuseproblem haben sie hier bestimmt nicht. Sie sind nicht nur Schädlingsbekämpfer, sondern scheinen ein fester, akzeptierter Bestandteil des Stadtlebens zu sein, die sich selbstbewusst zwischen den Füßen der Menschen bewegen. Nachdem wir einen schwarzen Kaffee getrunken haben, waren wir wieder voller Energie, um weitere enge Gassen zu entdecken.
Die Marina von Essaouira empfing uns mit einem intensiven Geruch nach frischem Fisch und Salz. Aufgrund des rauen Atlantiks waren alle kleinen Fischerboote im Hafen festgemacht, denn die Wellen erreichten über drei Meter Höhe und machten das Auslaufen über Nacht zu gefährlich für die Boote. Es hat und aber einen interessant Einblick gegebeun über die raue Natur der Küste und die Abhängigkeit der Fischer vom Wetter.
Danach stand die Gewinnung von Arganöl und der Anbau des Baumes auf dem Programm. Wir besuchten einen zertifizierten Bio-Anbaubetrieb, wo die Frauen die Kerne mit der Hand aufbrechen und dann das Öl herauspressen. Wir durften das Öl direkt probieren: eine nussige, intensive Geschmacksprobe, die man im Supermarkt kaum findet.
Arganöl ist in Marokko von tiefgreifender kultureller, historischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Historisch gesehen wurde es über Jahrhunderte von den Berberfrauen im Südwesten Marokkos nach traditionellen Methoden gewonnen und diente sowohl als nahrhaftes Speiseöl als auch als Heil- und Schönheitsprodukt. Der Arganbaum wächst ausschließlich in dieser Region, die zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt wurde. Die Produktion, die oft in Frauenkooperativen organisiert ist, ist zu einer wichtigen Einkommensquelle geworden und fördert die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Kulturell ist es ein Symbol für das Erbe der Region und die traditionelle Handwerkskunst.
Am Abend sind wir in Marrakesch angekommen. Morgen warten viele neue Dinge darauf, von uns erkundet zu werden.



























